Die Wochenzeitungen im Rheinland - lokale Nachrichten, Termine und Anzeigen

Geburtstagsausgabe

70 Jahre bewegte Geschichte


11.10.2018
(v.l.) Präsident Hanns-Jörg Westendorf, Club-Urgestein Josef Noé und Ex-Geschäftsstellenleiter Erwin Aretz. Foto: Archiv/ tau
(v.l.) Präsident Hanns-Jörg Westendorf, Club-Urgestein Josef Noé und Ex-Geschäftsstellenleiter Erwin Aretz. Foto: Archiv/ tau
Alles begann im Kasino der Bayenthaler Maschinenfabrik. Dort wurde am 21. Februar 1948 – nur acht Tage nach dem 1. FC Köln – der SC Fortuna Köln gegründet. Der neue Kölner Verein entstand durch eine Fusion des SV Victoria 1911, des Sparkassen-Vereins Köln 1927 und des Bayenthaler SV.

In den folgenden Jahren pendelte der Südstadtclub zwischen der Verbands-, Landes- und Bezirksliga. 1966 wurde Hans „Jean“ Löring Präsident der Fortuna. Der Mäzen sollte die Geschicke des Vereins für lange Zeit prägen. Am Ende der Saison 1966/67 stand der Aufstieg in die Regionalliga West. Nach einer mehrjährigen sportlichen Konsolidierung gelang 1973 der bis dato größte Erfolg der Vereinsgeschichte – der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Nach dem direkten Wiederabstieg in die neugegründete 2. Bundesliga folgten 26 Spielzeiten, in denen sich der Fortuna nur noch einmal die Chance bot, in die 1. Bundesliga zurückzukehren: 1986 erreichte sie als Tabellendritter die Relegationsspiele gegen den Bundesliga- Sechzehnten Borussia Dortmund. Dabei war nach einem 2:0-Erfolg in Köln und einem 1:3 in Dortmund ein Entscheidungsspiel notwendig, das der BVB mit 8:0 gewann.
Der legendäre Fortuna-Präsident Jean Löring, der 2005 verstarb. Foto: Archiv
Der legendäre Fortuna-Präsident Jean Löring, der 2005 verstarb. Foto: Archiv
Der größte sportliche Erfolg sollte in den glorreichen Zweitliga- Zeiten der Fortuna schließlich das Erreichen des DFB-Pokal-Finales im Jahr 1983 werden. Trotz guter Leistung mussten sich die Südstädter im Endspiel durch das goldene Tor von Pierre Littbarski dem 1. FC Köln mit 0:1 geschlagen geben. Im Nachgang des Finales wurde die Fortuna aufgrund ihrer Leistung aber nicht nur von den eigenen Fans als moralischer Sieger gefeiert.

Nach 26 Jahren in der 2. Bundesliga endete die Saison 1999/2000 mit dem Abstieg in die Regionalliga Nord. Eingeleitet durch die sportliche Misere und die wirtschaftlichen Probleme Jean Lörings geriet der Verein 2001 in die Insolvenz. Im Juni 2001 gab Löring das Amt des Fortuna-Präsidenten auf.

Erst in der Saison 2007/08 sollte es für die Südstädter wieder aufwärts gehen, als ihr der Aufstieg in die NRW-Liga gelang. Im Folgejahr sorgte der Club mit dem Internet-Projekt „deinfussballclub.de“ bundesweit für Schlagzeilen. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga West 2011 wurde das Projekt jedoch eingestellt.

In der Saison 2012/13 verpasste die Fortuna mit einer reinen Profi-Mannschaft unter dem bis heute tätigen Trainer Uwe Koschinat mit 79 Punkten als Tabellenzweiter nur knapp die Meisterschaft in der Regionalliga West hinter den Sportfreunden Lotte. Dafür sicherte sich der Südstadtclub durch einen 2:1-Erfolg gegen Alemannia Aachen den Titel im Landespokal, der zugleich die Qualifikation für den DFB-Pokal bedeutete. Dort unterlag das Koschinat- Team in der ersten Runde Mainz 05 jedoch mit 1:2.

Dafür sicherte sich die Fortuna die Meisterschaft in der Regionalliga West und damit die Teilnahme an der Relegation zur 3. Liga. Dort setzte sich das Team gegen Bayern München II schließlich auf dramatische Art und Weise durch: Nach einem 1:0-Sieg im Hinspiel in Köln lag die Fortuna in München nach dem Ende der regulären Spielzeit bereits mit 0:2 zurück. In der Nachspielzeit gelang Oliver Laux per Kopf das entscheidende Auswärtstor, das den Aufstieg in die 3. Liga bedeuten sollte.

Damit kehrte die Fortuna 2014 nach 14 Jahren wieder in den deutschen Profifußball zurück, wo sie sich bis heute wacker hält.


Cornel Wachter erinnert sich...

...Oder wie der langjährige Co-Trainer der 1. Mannschaft, Dieter Epstein, und der Sohn des Busunternehmers, Jürgen Weinzierl, zum Flughafen fuhren, um Charles Akonnor, der erstmalig aus Ghana nach Europa gekommen war, abzuholen und auf Lörings „Befehl“ gleich in den „Schmitze Lang“ auf die Severinsstraße brachten. Charles landete so an Weiberfastnacht quasi im Epizentrum des kölschen Frohsinns und sang mit Bömmel, Hartmut und Prinz Wicky Junggeburth „Eimol Prinz zo sin“. Foto: Archiv
...Oder wie der langjährige Co-Trainer der 1. Mannschaft, Dieter Epstein, und der Sohn des Busunternehmers, Jürgen Weinzierl, zum Flughafen fuhren, um Charles Akonnor, der erstmalig aus Ghana nach Europa gekommen war, abzuholen und auf Lörings „Befehl“ gleich in den „Schmitze Lang“ auf die Severinsstraße brachten. Charles landete so an Weiberfastnacht quasi im Epizentrum des kölschen Frohsinns und sang mit Bömmel, Hartmut und Prinz Wicky Junggeburth „Eimol Prinz zo sin“. Foto: Archiv
...Meine Lieblingsgeschichte ist diese: Hartmut Priess und ich kamen jahrelang beim Schäng morgens zum Kaffee zusammen. Da sahs der Schäng eines Tages kreidebleich und schaute verloren aus dem Fenster. Wir fragten: „Hans, was ist los? Was ist passiert? Ist jemand krank?“ Und als ob wir gar nicht da wären, sagte er leise vor sich hin: „Der FC ist abgestiegen. Die Sülzer müssen direkt wieder aufsteigen, das braucht die Region. Die Pänz müssen zu den Spielern in der 1. Bundesliga aufschauen können. Der FC muss gleich wieder erstklassig werden, das ist auch für den Breitensport wichtig, denn ein erfolgreicher FC motiviert die jungen Menschen zum Sport.“

Löring nahm den Telefonhörer, drückte die Taste zu seiner Sekretärin Hannelore Renner und bat sie, einen Termin mit FC-Präsident Albert Caspers zu vereinbaren. Caspers und der Schäng trafen sich nun mehrfach, da Löring einem aufmerksamen Caspers „erklären musste, wie man sich in der 2. Liga zu bewegen hat“. Welche Präsidentengattin möchte wie angesprochen werden? Welche Busparkplätze sind besser als die einem vom gegnerischen Verein zugewiesenen? Wo sind die besten Hotels? Wo kann man essen gehen? Und wo besser nicht?

Da hat mich der großherzige Sportsmann Hans Löring besonders beeindruckt. Aber natürlich sagte er Caspers auch: „Wir wollen jedes Spiel in der 2. Liga gegen euch deutlich gewinnen, aber bitte tut mir einen Gefallen und gewinnt alle anderen Spiele und steigt gleich wieder auf.“

...Unvergessen, wie ich mich mit Fortuna-Urgestein Noldi Lemaire, Pfarrer Hans Mörtter, Designer Marc Tölle, der Unterstützung von Prominenten wie Michael Schumacher und vielen Fans 2003 für die Rettung der von der Insolvenz bedrohten Fortuna und deren enorm großer Jugendabteilung einsetzen durfte. Wir zogen die Oberligamannschaft nackt aus, machten ein Foto, zu dem auch Trainer Ralf Aussem und Co-Trainer Dieter Epstein „blank“ zogen, und schrieben darüber: „Einem nackten Mann greift man nicht in die Tasche“. Und als Fußzeile: „Aber unter die Arme“. Was folgte, war eine beispiellose Unterstützung aus ganz Köln und besonders von vielen FC-Fans.

...Oder wie Kalli Mödrath 1973 in der Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga im Spiel gegen Mainz den Ball an den Innenpfosten setze, der Ball von dort ins Tor springen wollte, Mödrath aber inzwischen ebenfalls ins Tor gerutscht war und mit der Ferse den Ball wieder aus dem Tor hob. Spieler im Netz, Ball nicht im Tor.
Rhein Energie
Raiffeisenbank Frechen-Hürth eG
SC Fortuna Köln
Kölner Hausmeisterdienst
Canada Life
Wilms Metallmarkt Lochbleche GmbH & Co. KG
Explorer Fernreisen



Datenschutz